Mittwoch November 13
16:00 bis 19:00
Diabetes mellitus
Samstag November 16
08:00 bis
4. Internationales Phlebologisches Symposium
Mittwoch Dezember 4
17:00 bis 19:00
Mitgliederversammlung, Nikolausveranstaltung

Bericht vom 6. Wundtag

Bericht vom 6. Wundtag des Wundnetz Berlin-Brandenburg e.V. am 05. und 06. April 2019 im Charité Campus Benjamin Franklin in Berlin-Steglitz

 
Der Wundtag Berlin Brandenburg wurde zum zweiten Mal in Kooperation von Wundnetz Berlin Brandenburg e.V. und Deutscher Verband für Podologie (ZFD) LV Berlin Brandenburg e.V. organisiert. Der somit 6. Berlin Brandenburger Wundtag fand bei wieder einmal schönstem Frühlingswetter statt. Veranstaltungsort war wie in den letzten Jahren auch ein großes Berliner Klinikum. Im Campus Benjamin Franklin in Berlin-Steglitz fanden sich mit Hörsaal und Kursräumen sehr gute Bedingungen, um den erwarteten 267 Teilnehmern und 21 Ausstellern eine angenehme Atmosphäre zu bieten. Der Wundtag widmete sich in diesem Jahr dem Schwerpunktthema der Lympherkrankungen.


Schon vor Beginn des eigentlichen Wundtages begannen am Freitagmorgen die Vorbereitungen der Aussteller und am frühen Nachmittag die Jahreshauptversammlung des Podologie-Verbandes.

Den Startpunkt setzte 16:00 Uhr die Eröffnungsrede von Frau Amrei Hohenwald (1. Vorsitzende des Landesverbandes Podologie) und Dr. Frank Peter (1. Vorsitzender des Wundnetzes). In seiner Begrüßung dankte Dr. Peter der Charité für die Tagungsmöglichkeiten im Campus Benjamin Franklin und betonte noch einmal den interprofessionellen Ansatz des Wundtages und die bewusste Themenwahl der Lympherkrankungen als von Wundversorgern und Podologen gleichermaßen wahrgenommenes Problem. Frau Hohenwald brachte ihre Freude über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Wundnetz zum Ausdruck und wünschte allen Teilnehmern einen erfolgreichen Wundtag.


Als mit Spannung erwarteter Gast war Dr. Alexander Risse aus Dortmund der Hauptredner des ersten Tages. In seinem zweistündigen unterhaltsamen Vortrag diskutierte Dr. Risse das Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie in der Wundversorgung. Ausgehend von seinem fachlichen Schwerpunkt der Diabetologie und Philosophie klärte er zunächst die Begrifflichkeiten von Ethik, Moral, Sitte und Sittlichkeit, um dann den Anwesenden selbst die Frage nach der Akzeptanz der Eigenständigkeit der Betroffenen zu stellen und Alternativen zu Ratschlägen und Therapieanweisungen anzubieten. Dem Aspekt der Ökonomie näherte Dr. Risse sich über die Wertefragen von Evidenz, Tatsächlichkeit, Nutzen, gewünschtem Nutzen und Bezahlbarkeit. Schnell wurde dabei klar, dass sich unser Sozialsystem und insbesondere das Fallpauschalensystem der Krankenhausabrechnung zu einer Enthumanisierung des Gesundheitswesens geführt haben, die den Patienten zum Kunden und den Arzt zum Dienstleister degradiert. Der damit einhergehende Vertrauensverlust zeige sich zum Beispiel in der zunehmenden Aggression von Patienten und Angehörigen. Die Zuhörer bewiesen mit Zwischenapplaus und einer ausführlichen anschließenden Diskussionsphase ihre Begeisterung und Betroffenheit. In der offenen Diskussion auf der Industrieausstellung griffen im Anschluss viele Zuhörer in eigenen Gesprächen die Impulse des Vortrages auf.

 

Der zweite Tag begann für alle Teilnehmer am Samstag 9:30 Uhr mit dem Vortrag von Dr. Andre‘ Glod (Ärztlicher Fachlehrer für Lymphologie, Klinik für konservative Orthopädie und orthopädische Schmerztherapie im Gesundheitszentrum Straichingen). Ausgehend von anatomischen und physiologischen Grundlagen erläuterte er die Stadieneinteilung des Lymphödems und die konservativen Therapiekonzepte bei Lymphödemen. Das Konzept der komplexen physikalischen Entstauung (KPE) fuße zwar auf der manuellen Lymphdrainage (MLP), aber ohne anschließende effektive Kompression mit fachlich korrekt angelegten lymphatischen Kompressionsverbänden und entstauenden Bewegungsübungen sei der Erfolg der MLP nicht zu wahren. Zudem benötigen Betroffene Beratung zu Fragen der Hygiene, der Hautpflege und des Selbstmanagements, um erfolgreich mit ihrer lebenslangen Krankheit leben und Langzeittherapieerfolge sichern zu können.

Bezugnehmend auf die Herausforderungen der Wundversorgung bei Lymphödempatienten stellte Dr. Glod das interdisziplinäre und interprofessionelle Therapiekonzept von KPE und Wundmanagement unter medikamentöser Begleitung vor.

 

In der anschließenden Pause stellte Frau Dr. Dietzel aus der Charité ihre geplante Studie zum Einfluss von Akkupunktur auf den Therapieerfolg bei DFS-Patienten vor und warb darum, interessierte Betroffene auf diese Studie aufmerksam zu machen.

 

Im zweiten Vortrag des Tages beschrieb Dr. Benedikt Merwart aus der Klinik für Plastische, Ästhetische, Rekonstruktive und Handchirurgie im Evangelischen Krankenhaus in Oldenburg die operativen Möglichkeiten zur Behandlung des Lymphödems. Dr. Merwart erläuterte zunächst das diagnostische Vorgehen mit Lymphszintigrafie, SPECT-CT und Lymphangio-CT, aber auch das wesentlich weniger aufwendigere Verfahren der fluoreszierenden Bildgebung.  Sehr anschaulich stellte Dr. Merwart anschließend die mikrochirurgischen Methoden zur Anastomisierung und Transplantation von weniger als haarfeinen Lymphgefäßen dar. Sehr eindrücklich war auch die mögliche Selbstanastomisierung von transplantierten Lymphknoten und die anschließende effektive Entlymphung der distalen Körperregion.

 

Nach der Diskussion der ersten beiden Vorträge stellte Frau Steffi Jornitz (Schulleiterin der Podologieschule Grotstollen in Essen) die Perspektive der Podologie auf Wunderkrankungen dar. Podologie biete aufgrund des Zeitfensters der podologischen Behandlung die Möglichkeit ein Bindeglied zwischen Patient und Arzt zu sein. Das setze aber Fachkenntnis der Podologen und Gesprächsführung mit den Patienten voraus.

 

In der anschließenden Mittagspause erholten sich die Teilnehmer bei dem viel gelobten Angebot des Caterings und bei fast sommerlichen Temperaturen auf der Terrasse des Südfoyers.

Das Nachmittagsprogramm eröffneten zwei parallele Workshops zu den Themen Kompression von Frau Yvonne Hoffmann-Kaulbars (Essity Jobst) und podologische Behandlungsmethoden von Frau Steffi Jornitz.

 

Im letzten Fachvortrag stellte danach Herr Prof. Dr. Markus Küntscher (Chefarzt Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Evangelische Elisabeth Klinik Berlin) operative Behandlungsmöglichkeiten insbesondere bei onkologisch und traumatisch bedingten iatrogenen Lymphödemen vor. Mit seiner Abgrenzung zur operativen Behandlung von Lipödemen schlug er die Brücke zum letzten Vortrag des Tages.

In seinem Vortrag zur aktuellen gesundheitspolitischen Wahrnehmung von Wund- und Lympherkrankungen erläuterte Herr Maik Stendera (mamedicon) die relevanten Änderungen gesetzlicher Regelungen wie die Änderung der HKP—Richtlinie zum Anlegen von Kompressionsstrümpfen schon ab Kompressionsklasse 1, den Vorschlag des GBA zur Liposuktion bei Lipödem Stadium 3 als Kassenleistung ab Januar 2020, die Änderung der Krankenbeförderungsrichtlinie, die schon länger geltende Regelung zum langfristigen Heilmittelbedarf ab Lymphödem Grad II  und den aktuellen Stand der Diskussion um die Legaldefinition für Verbandmittel.

In seinen Schlussworten dankte Dr. Peter allen Referenten, Ausstellern und Teilnehmern für den produktiven interprofessionellen Austausch. Einen besonderen Dank richtete er an die aktiv an der Organisation beteiligten Mitgliedern des Wundnetzes, wie des Podologieverbandes sowie an die Mitarbeiter der mamedicon GmbH für die professionell geleistete Arbeit für die Vorbereitung und Durchführung des Wundtages. Er verwies darauf hin, dass ein Teil der Vorträge und Impressionen des Wundtages auf der Homepage www.wundnetz-berlin-brandenburg.de für die weitere fachliche und inhaltliche Diskussion zu erreichen sind. Dr. Peter verabschiedete die Teilnehmer mit Verweis auf den nächsten gemeinsamen und Wundtag am 28. März 2020 im Forum 3 des Charité Campus Virchow und mit den besten Wünschen für die gemeinsame Zusammenarbeit.

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